DER MENSCH DES TAGES – Helfer für Behinderte

[list] [li]TZ / 20.Oktober 2009[/li] [/list]

Anton Grafwallner aus Gmund (Foto:Plettenberg)

Anton Grafwallner ist überzeugt: Nicht nur gesunde Menschen wie Erzbischof Reinhard Marx sollen die Möglichkeit haben, mit der Mutter Gottes zu sprechen, sondern auch Gläubige mit Behinderung. Daher kämpft der 61jährige Behindertenbeauftragte im Kreis Miesbach für einen Aufzug zur Wallfahrtskirche in Birkenstein.
Grafwallner erkrankte selbst vor 30 Jahren an Multipler Sklerose. Sein Schicksal und das stetige Voranschreiten seiner Krankheit ertragt er mit einem gehörigen Maß an Selbstironie: „Ich hab das Behindertsein quasi von der Pike auf gelernt“, meint er, „das begann mit schwankendem Gang, ging weiter mit dem Hlack’l-Stecka und endete schließlich im Rollstuhl.“ Weil Anton Grafwallner auf diesen nun seit fünf Jahren angewiesen ist, zudem nur noch mit der rechten Hand arbeiten kann, weiß er genau, wie schwer es Behinderte im öffentlichen es im öffentlichen Leben haben.
Der gelernte Verkehrs- Ingenieur, der bis zu seinem 50. Lebensjahr mit Verkehrssteuerung und Ampeln zu tun hatte, steuert nun die Bedürfnisse für die Behinderten im Landkreis. In einer Selbsthilfegruppe für MS Kranke fing alles an, „dann erkannte ich, dass unser Landkreis ein weißer Fleck auf der Landkarte für Behinderte war.“ Unermüdlich und couragiert nahm er den Kampf auf, ficht sich, wie er selbst sagt, „eher mit dem Florett wie mit dem Holzhammer‘ durch sämtliche Ämter und Behörden. Inzwischen hat er bewirkt, dass alle 17 Gemeinden im Landkreis über einen eigenen Behinderten-Beauftragten verfügen.
Anton Grafwallner hat noch viel vor und seine Ziele bis zum Jahr 2014 in ein Konzept gepackt mit dem Titel „Helfen, handeln und zuhören“. Dabei will er Behinderten, alten und mobilitätseingeschränkten Menschen
nicht nur im Stillen, etwa bei Schwierigkeiten mit Krankenkassen oder Behörden helfen. Barrierefreier Tourismus, barrierefreies Bauen, Selbsthilfekontaktstellen, die Förderung des Behindertensports und Kamingespräche stehen auf seiner Agenda. „Bei den barrierefreien Zugängen etwa zu Kirchen, zu Bus und Bahn kommen wir ganz gut voran“. meint Grafwallner, der sich auch als Gemeinderat in der Fraktion der Freien Wähler für das Wohl im Ort einsetzt.
Die Verleihung, der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist für ihn Anerkennung und Ansporn weiterzumachen, sind vielleicht auch den Aufzug zur Wallfahrtskirche Birkenstein zu realisieren. GERT REICHL

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